Der geheime Preis

Soll ein Dienstleister die Preisliste auf der Homepage publizieren oder nicht? Diese Frage beschäftigt mich seitdem ich 1996 für unser Portraitstudio die erste Homepage erstellt habe. Meine Antwort darauf ist immer mehr ein klares JA.

Lange Zeit hat es kaum Gespräche mit Kollegen gegeben bei dem ich dieses Thema nicht angeschnitten habe. Dabei hat sich gezeigt dass sich die Meinungen dazu im Laufe der Jahre verändert haben. Früher wollten viele Kollegen ihre Preise nicht auf die Homepage geben.

Argumente dagegen

  1. Der Kunde soll nicht abgeschreckt sondern neugierig gemacht werden, mit dem Ziel dass er anruft
  2. Man wollte sich den Mitbewerbern nicht offenbaren. Es war oft die Meinung, das Kollegen die einzigen sind die das interessiert.

Ja klar schauen Kollegen die Preislisten der anderen an. Als Argument daraus ein Geheimnis zu machen ist es natürlich vollkommener Quatsch. Oft jedoch hatte ich die Vermutung dass man die Preise aus Scham nicht nennen wollte. Kollegen gegenüber wegen zu kleinen und Kunden gegenüber wegen der Vorstellung man hätte zu hohe Preise. Beides eine Folge wenn man selbst nicht zu seiner Preisliste steht.

Macht es generell Sinn für kundenspezifische Dienstleistungen vorweg einen Preis zu nennen? An unserer Arbeit hat jeder Kunde eigene Vorstellungen, jeder Job hat unterschiedliche Anforderungen und damit auch unterschiedlichen Aufwand. Ja macht es.

Eine gut formulierte Preisliste auf der Homepage ist auch bei Dienstleistern möglich und hat einige Vorteile

Die Vorteile

1. Effizienz

Mit einer Preisliste auf der Homepage bekommt der Kunde einen Überblick und wird nicht anfragen wenn seine Vorstellungen von der Realität vollkommen abweichend sind. Der beste Verkäufer kann aus einer Anfrage ohne marktkonformen Vorstellungen kein beiderseits befriedigendes Ergebnis erzielen.

2. Der Preis ist ein Kaufsignal

Ein Beispiel dazu: in vielen Studios hängen Fotos der Arbeiten an der Wand. Tolle Fotos aber unverkäuflich weil z.B. eine Brautaufname, Kinderbild, privates Portrait… was auch immer. Betrachtet der Kunde die Fotos ist er beeindruckt, bewundert die Motive, Formate und eventuell die Kaschierung oder den Rahmen aber er wird er nicht auf die Idee kommen dass die Rahmen zB. Handelsware sind.

Aber stellen Sie sich folgendes vor: auf allen Rahmen klebt ein Preiszettel. In diesem Moment ist es ein Angebot und vom Impulskauf eines Rahmens bis zur Überlegung selbst ein Portrait in der Größe und Ausarbeitung anfertigen zu lassen ist vieles möglich.

3. Der Preis als Kaufentscheidung

Das Internet regt zum Preisvergleich an. Wer über günstige Preise verkauft ist praktisch gezwungen diese nicht nur auf seiner Homepage anzugeben. Sondern auch in Vergleichsportalen, Schnäppchenseiten und dergleichen. Persönliche rate ich allen die sich mit der Fotografie als Beruf noch nicht lange beschäftigen dringend davon ab! Du wirst nicht nur Geld sondern auch die Freude an Deinem Beruf verlieren.

4. Der Preis als Verkaufsunterstützung

Bei einer hochwertigen Dienstleistung unterstützen angemessene Richtpreise das Angebot und runden es schlüssig ab. Man gewinnt beim Interessenten einen seriösen und professionellen Gesamteindruck.

5. Der Preis als Argument

Ein sehr hoher Preis auch an sich selbst das Kaufargument sein. Exklusive Markenprodukte können dabei auch Dienstleistern als Vorbild dienen. Es braucht dabei jedoch einiges an Erfahrung und eignet sich für junge Kollegen vielleicht weniger.

6. Der Preis als Grund des Angebotes

Bei Produkten die man weniger gern macht hilft ein höherer Preis dabei sich auch mit diesen gerne zu beschäftigen. Ein Beispiel: in unserem ehem. Studio wurden Passfotos ab € 64,- angeboten. Dieser Preis schaffte erst die Möglichkeit dass jeder meiner Kunden ein perfektes kleines Portrait im Reisepass hat und diesen nicht nur an der Grenze sondern gerne auch seinen Freunden zeigt.

Charles Brooks

Auf die Idee wieder über dieses Thema zu schreiben bin ich gekommen als ich die Preisliste des Kollegen Charles Brooks aus Neuseeland gesehen habe. Ein toller Fotograf mit beeindruckenden Bildern.

Seine Preisliste besteht aus nur zwei Richtpreisen. Diese sind aber gut beschrieben, man erkennt um was es geht und er hat auch damit bei mir einen positiven Eindruck hinterlassen.

Zur Info

Der heutige Wechselkurs 1 Euro – 1,48 NZD
(tagesaktueller Kurs auf finanzen.at)